Wenn Du Dir selbst im Weg stehst!

Hat sie tatsächlich „wieder“ ein Burnout geschrieben und ihre vermutliche Schwangerschaft als schockierend bezeichnet? Ja, hat sie!

Heute werde ich mit euch eine kleine Zeitreise unternehmen und einen sehr persönlichen, intimen und ausführlichen Blogpost wagen. Viele Menschen die mich in dieser Zeit begleitet haben, wissen (zum Teil) bis heute nicht, wie meine Umstände waren.

November 2014, endlich hatte ich einige meiner Ziele erreicht: einen Job, der mir nicht nur Spaß machte, sondern auch gut bezahlt war; eine eigene und vor allem leistbare Wohnung; viele spontane Reisen oder Kurztrips, die ich nun endlich in Angriff genommen hatte; meinen Rhythmus beim Sport; mein Traumgewicht; viele Freunde; positiv absolvierte Fächer auf der Uni – ich dachte: endlich bin ich angekommen. Ich bin glücklich!

Dennoch spürte ich immer wieder diese unbeschreibliche Leere in mir. So kam es dazu, dass ich ständig unterwegs war – Essen, auf Events, im Fitnessstudio und machte Überstunden in der Arbeit. Zugegeben, es war etwas stressig, aber es erfüllte mich – es war wie ein Rausch, ich fühlte mich frei und lebendig – als ich plötzlich auf den Boden knallte und ein Freund zu mir sagte: find‘ ja gut, dass Du jetzt so auf Dich achtest – mit Sport & Ernährung – , doch gesund siehst Du nicht mehr aus.

Dezember 2014, ich wog nun 46 Kilogramm und war geplagt von Migräne, weil ich am Vorabend mal wieder länger arbeiten, unterwegs war oder bis zum Morgengrauen renovierte. Schlagartig änderte sich alles – ich fing an mein Leben zu hinterfragen.

Mein Traumgewicht hatte ich bloß, weil ich regelmäßig als Aerobictrainer arbeitete und viele Stunden neben meinem Hauptjob angenommen hatte. Denn die leistbare Wohnung hatte ich in seinem Rohbauzustand ausgeschlachtet, um neue Stromleitungen und Rohre für WC, sowie Dusche zu verlegen. Da diese veraltet waren, mussten diese erneuert werden. Einen Profi konnte ich mir nicht leisten, daher packte ich selbst viel mit an. Ich verband das regelmäßige Training mit meinem Zweitjob als Trainerin und renovierte die Wohnung in Rekordzeit.

Der wohl größte Wendepunkt in meinem Leben fand in meinem 31. Lebensjahr statt. Meine 30er Geburtstagsfeier war ein Knaller. Ende Jänner 2015, mitten in den Renovierungsarbeiten, organisierte ich eine Verkleidungsparty in einer Schule mit einem tollen Catering und etwa 40 Freunden. Nicht mal bis Mitternacht hatte ich durchgehalten. Am nächsten Tag ging es mir so mies wie schon lange nicht mehr. Diese Feier kostete mich ein halbes Vermögen und ich fuhr alleine in meine Wohnung. Keine Freunde, zu denen ich konnte oder die ich bitten konnte mich abzuholen, um einfach für mich da zu sein. Denn jene, die ich als Freunde betitelte, waren Arbeitskollegen, Freunde meiner Brüder, Bekannte (die mich gar nicht wirklich gut kannten) oder Freunde, die sich bereits in ihrem Familienalltag befanden und denen ich nicht zur Last fallen wollte – den anderen langjährigen Freundschaften, wandte ich den Rücken zu bzw. umgekehrt. Wir passten in dieser Phase meines Lebens nicht zueinander.

Langsam geriet ich an meine Grenzen. Gezeichnet von zu viel Arbeit, Einsamkeit und Erschöpfung wurde ich regelmäßig krank. STOP! Vor kurzem befand ich mich noch in einer langjährigen Beziehung, in einem gemütlichen Haus mit einem schönen Garten und Hunden. Was ist mit mir geschehen? Laufe ich vor etwas davon? Was sind meine Ziele? Was will ich? Keine dieser Fragen und weitere konnte ich beantworten.

Spontan beschloss ich zu verreisen und stellte mich einer meiner größten Ängste: alleine sein, in einer fremden Umgebung. Eine UniExkursion nach Amerika veränderte mein ganzes Leben. Ich kannte niemanden auf dieser Reise und musste mich mit mir selbst und der neuen Situation befassen.

Dies fiel mir sehr schwer und ich versuchte auch hier vor allen Gedanken davon zu laufen, denn ich erkannte nicht, dass ich krank war: ich hatte Burnout. Ich war nie glücklich, konnte keine Dankbarkeit spüren und hatte ständig das Gefühl nicht anzukommen, egal wie viel oder was ich tat. Stets war ich enttäuscht von mir und machte mich selbst zum Außenseiter. Nach einem langen Kampf (bis Februar 2016) und einem Mann an meiner Seite, welchen ich auf dieser Reise kennenlernte, schaffte ich es langsam klarer zu sehen und lernte Hilfe anzunehmen.

Hätte ich damals Ben nicht kennengelernt, weiß ich nicht, ob ich so schnell die Kraft gehabt hätte, mich dieser Krankheit zu stellen. Noch heute tu‘ ich mir schwer zu akzeptieren, dass Burnout ein ernstzunehmendes Problem ist, welches behandelt werden muss und viel Eigeninitiative bedarf. Ben, heute mein Mann und Vater unserer Tochter, war immer für mich da, auch wenn ich mich abwandte und ist der wohl gutherzigste und verständnisvollste Mensch, den ich je kennen lernen durfte. Bis heute kann ich nicht sagen, was er an sich hat, dass mich an ihm fasziniert. Es ist einfach das Gefühl: bei ihm fühle ich mich vollständig (auch wenn ich noch viel an mir zu arbeiten habe), angekommen (auch wenn ich meine Ziele nicht erreicht habe) und glücklich, selbst in den forderndsten Momenten.

Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an dem Moment denke, wo ich es schaffte, langsam die Augen zu öffnen und mich meiner größten Herausforderung im Leben zu stellen: mein Tempo und mich kennenlernen, um mich zu akzeptieren, so wie ich bin.

Das ist der 3. Grund, weswegen der Launch gescheitert ist: ich hatte vergessen meine Fähigkeiten an meine derzeitige Lage anzupassen und mein Tempo zu akzeptieren.

Denn oft sind es die persönlichen Gründe, die einem im Weg stehen und scheitern lassen.

Fortsetzung folgt…

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